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Auf seinen Reisen trifft Andreas Altmann die gesellschaftlichen Außenseiter: Drogendealer, Prostituierte und Arme. Christian Unger sprach mit dem Reporter über seine Recherchemethoden und erfuhr, warum Altmann die Detailsucht mancher Autoren verachtet und weshalb er sich als Reporter manchmal prostituieren muss.
Lieber Herr Altmann, nun also meine Fragen – per Email. Dazu gleich die erste: Warum geben Sie nur schriftliche Interviews?
Andreas Altmann: Weil ich wohl zu der aussterbenden Rasse von Zeitgenossen gehöre, die vor dem Antworten gern denken wollen, ja müssen. Sonst kommt das raus, was uns Politiker und andere Hochwürden stündlich vorführen: nichts, ranziger Gedankenmüll, abwaschbare Wörter. Zudem verhindert die schriftliche Form uferloses Schwadronieren. Zuletzt: aus rechtlichen Gründen. Worte und Sätze sind nachprüfbar. Ich habe schon mündliche Interviews autorisiert, die hinterher dann doch noch getürkt wurden.
Zuletzt waren Sie in Südamerika und Australien unterwegs. Wie bereiten Sie sich auf eine Reise vor? Wissen Sie vorher, wo Sie übernachten und wen Sie treffen werden?
Ich bereite mich kaum vor. Nehmen wir das letzte Buch: Reise durch einen einsamen Kontinent. Im Vertrag mit dem Verlag stand der Arbeitstitel „Südamerika“. Als ich ihn unterschrieb, wusste ich, dass ich in Bogotá anfangen werde und irgendwann in Chile ankommen will. Fünf, sechs Namen und Orte hatte ich im Kopf, Leute und Ziele, von denen ich vor der Abreise erfahren hatte und die ich sehen wollte. Alles andere ergibt sich von dem Augenblick an, in dem ich das Flugzeug besteige. Dann bin ich sofort die Hure Altmann, die jeden anmacht, den ich verdächtige, eine Story in petto zu haben. Bis wir landen und ich schon am Flughafen die lokalen Zeitungen kaufe, umgehend meinen Weltempfänger einschalte und den ersten Taxifahrer überrede, bei mir zu beichten. Und so geht das vier Monate, 16 Stunden pro Tag.
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